Über HerAbout

„You cannot change any society unless you take responsibility for it, unless you see yourself as belonging to it and responsible for changing it.“

– Grace Lee Boggs

Die Debatte über Rassismus und Deutschlands Verantwortung aufgrund von dessen historischer Rolle wird, falls überhaupt vorhanden, meist nur einseitig geführt. Durch die weitreichende Arbeit von BiPOC habe ich erkennen dürfen, was Rassismus als strukturelles Machtgefüge ausmacht und habe auf ihre Kosten erlernt, was Weißsein bedeutet.

Als weiße Studentin in Deutschland möchte ich dieses Wissen durch HerAbout nicht enteignen oder missbrauchen, sondern ich möchte mich und andere weiße Mitmenschen in Deutschland anhalten, ihr und mein vermeintliches Wissen sowie Nichtwissen über Rassismus zu de-konstruieren. Es geht um die mit den Privilegien einhergehende Verantwortung und die aktive Teilnahme an einer Wissens-Verschiebung, welche von BiPOC in Deutschland bestimmt werden muss. Dabei ist es unerlässlich, die eigene Rolle kritisch zu hinterfragen und entsprechend zu dezentralisieren.

Somit versteht sich HerAbout als Wegweiser zu der Arbeit von BiPOC, welche bereits seit langer Zeit kritische Perspektiven über die Themen Kolonialismus, Rassismus, Feminismus, Identität und Postkolonialität liefern. Es geht um eine Anerkennung dieser Arbeit und es beinhaltet einen Lernprozess, den die weiße Mehrheitsgesellschaft, mit mir eingeschlossen, durchlaufen muss, um Teil einer anti-rassistischen Gesellschaft zu werden. Ein Perspektivenwechsel in der Auseinandersetzung mit Rassismus und den eigenen Rassismen, indem der Fokus auf der Arbeit von BiPOC liegt, ist somit unerlässlich. Dabei soll das Wissen jedoch nicht getrennt von dem jeweiligen Kontext und der eigenen Rolle darin verstanden werden.

Ziel von HerAbout ist also weder eine Wissensproduktion noch eine selbsternannte Diskurshoheit in den anfallenden Thematiken. Vielmehr sollen Bücher, Texte und Arbeiten von BiPOC in Deutschland vorgestellt und in den Mittelpunkt gestellt werden. Als weiße Frau sehe ich meine Verantwortung darin, mich und mein weißes Umfeld zu sensibilisieren, um strukturelle Rassismen aufzubrechen. Durch HerAbout erhoffe ich mir, dass Perspektivenwechsel stattfinden und die eigene Rolle in der Wissensproduktion um Rassismus kritisch hinterfragt wird.